Gedenken fĂŒr Opfer vom Bombenangriff 1944

Aufräumarbeiten am zerstörten Birkigter Gasthof - August 1944
Aufräumarbeiten am zerstörten Birkigter Gasthof - August 1944

Stilles Gedenken an Opfer des Bombenangriffs von 1944

Am 24. August 2019 laden die Große Kreisstadt Freital und der Ortsverein Birkigt e. V. zum stillen Gedenken anlĂ€sslich des 75. Jahrestages der Bombardierung des Freitaler Ortsteiles ein. Beginn ist 12.30 Uhr am Gedenkstein an der Blumenstraße.

Nach einer kurzen BegrĂŒĂŸung und einleitenden Worten werden im Stillen KrĂ€nze und Blumen niedergelegt. Um 12.50 Uhr machen sich die Teilnehmer auf zum alten Spritzenhaus an der Ecke Gitterseer und Bannewitzer Straße, Eingang Kesselgrund. Dort wird von 13.00 bis 13.07 Uhr, dem Zeitpunkt des damaligen Angriffs, die Friedensglocke gelĂ€utet. Die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger sind eingeladen, sich am Gedenken zu beteiligen.

Leichenbergung aus den eingestürzten Luftschutzräumen der Firma Hänsel - August 1944
Leichenbergung aus den eingestürzten Luftschutzräumen der Firma Hänsel – August 1944

Informationen / HintergrĂŒnde

Der Zweite Weltkrieg ĂŒberzog Europa mit millionenfachem Tod, Elend und Vertreibung. Er verschonte auch Freital nicht. Am 24. August 1944 verloren bei einem Bombenangriff 244 wehrlose Menschen ihr Leben und legte den Stadtteil Freital-Birkigt in Schutt und Asche.

An jenem warmen Sommertag sollten, von England startend, etwa 1.300 Bomber und ĂŒber 700 begleitende Jagdflugzeuge der US-amerikanischen Luftwaffe strategische Ziele der deutschen Treibstoff-Industrie in Nord- und Mitteldeutschland, im Sudetenland sowie in Böhmen anfliegen. An diesen Angriffen war auch ein Kampfgeschwader mit 78 viermotorigen B-17 Bombern beteiligt, welches zum Einsatz nach der Freitaler Raffinerie Rhenania OSSAG aufsteigen sollte. Das am Mineralöl-Programm der Wehrmacht beteiligte Werk an der CoschĂŒtzer Straße nahe der Stadtgrenze zu Dresden produzierte als einziges seiner Art in Deutschland jĂ€hrlich etwa 6.000 Tonnen elektrisch veredelte Spezialschmieröle fĂŒr den Luftwaffeneinsatz in höheren, besonders kalten Luftschichten.

Zerstörungen der Wartehalle des Bahnhofs Freital-Ost derWindbergbahn - August 1944
Zerstörungen der Wartehalle des Bahnhofs Freital-Ost derWindbergbahn – August 1944

Bei diesem ersten Luftangriff in der gesamten Region ĂŒberhaupt detonierten kurz vor 13.00 Uhr etwa 520 Bomben im Gebiet Freital-Birkigt und -Potschappel sowie Dresden-Gittersee, -Dölzschen und -CoschĂŒtz. Unmittelbar nach dem siebenminĂŒtigem Angriff schien alles zu brennen. Staubwolken verdunkelten den Himmel, verbrennendes Öl sowie Paraffin umliegender Firmen verpesteten rauchend die Luft. Das öffentliche Leben erstarb und tagelang arbeiteten sich Bergungstrupps von Technischer Nothilfe, Wehrmacht und Luftwaffe, unterstĂŒtzt von örtlicher Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz durch die grauenvolle Zerstörung.

Die Produktionsanlagen der Rhenania OSSAG verfehlte der Bombenhagel, zerstörte aber 34 HĂ€user einer Wohnsiedlung komplett und beschĂ€digte 64 schwer. Außerdem gingen alte Bauerngehöfte, einzelne Wohn- und GeschĂ€ftshĂ€user sowie der traditionsreiche Birkigter Gasthof verloren. Auch mehrere RĂŒstungsbetriebe trafen die Bomber im anvisierten Zielgebiet. Dazu gehörten die Kunstmöbelfabrik Anton Schega, die Munitionsabdeckungen und Bugradklappen fĂŒr Junkers-Flugzeuge baute und die König-Friedrich-August-HĂŒtte Dresden-Dölzschen, die PanzerlĂŒfter herstellte.

Die meisten Todesopfer sowie die grĂ¶ĂŸten materiellen SchĂ€den beklagten die Fabriken BĂŒhler und HĂ€nsel. Bei der MĂŒhlenbau-Anstalt BĂŒhler produzierte man Bauteile des Mineralölprogramms der Luftwaffe sowie gepanzerte Schlitten und SanitĂ€tsschlitten. Dort verloren 58 Personen wĂ€hrend des Angriffs ihr Leben, bei HĂ€nsel 82 Menschen. Die Maschinenfabrik HĂ€nsel fertigte Teile fĂŒr Kampfwagenkanonen, Kanonenwagen und Munition.

Ein Mahnmal fĂŒr die Birkigter Bombenopfer, die auf verschiedenen Freitaler Friedhöfen beziehungsweise an ihren jeweiligen Heimatorten ihre letzte RuhestĂ€tte fanden, wurde 1950 inmitten der ehemals am stĂ€rksten zerstörten Genossenschafts-Siedlung nach EntwĂŒrfen des Freitaler Architekten Erich Fritsche aufgestellt. Durch eine Eisenguss-Platte 1967 optisch aufgewertet, erinnert es bis heute an den Luftangriff. Zwei Monate war das jĂŒngste Todesopfer und 87 Jahre das Ă€lteste. Die 45 auslĂ€ndischen Opfer, zum Teil erst seit wenigen Wochen als Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene in Freital interniert, stammten aus der damaligen Sowjetunion, Belgien, Frankreich und England. Der Gedenkstein von 1950 sowie eine 2014 gegossene und im Turm des ehemaligen Birkigter Spritzenhauses hĂ€ngende Friedensglocke mahnen die heute lebenden Generationen zu Eintracht und Frieden.


Pressemitteilung Stadt Freital
Historische Fotos von SchÀden bzw. der Bergung der Opfer nach dem Bombenangriff.
Quellen: “StĂ€dtische Sammlungen Freital”

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