
Siebzehn Meter Sandstein, gut 350 Meter über dem Meer und von fast jeder Straße im Tal aus zu sehen: Das König-Albert-Denkmal auf dem Windberg ist das Wahrzeichen von Freital. Die meisten Freitaler sagen einfach Windbergdenkmal. Wem der Obelisk gewidmet ist, warum der König fast vierzig Jahre hinter einer Mauer verschwand und seit wann das steinerne Pferd wieder vier Beine hat, wissen deutlich weniger Leute. Hier steht alles, was man vor dem Ausflug wissen sollte.
Inhaltsübersicht
Das Windbergdenkmal auf einen Blick
| Offizieller Name | König-Albert-Denkmal, im Volksmund Windbergdenkmal |
| Standort | Westseite des Windbergplateaus, Stadtteil Burgk, Freital |
| Höhe des Obelisken | 17 Meter |
| Höhenlage | etwa 351 m ü. NHN, rund 180 Meter über dem Tal |
| Material | über 500 Kubikmeter Sandstein |
| Entwurf | Max Hans Kühne, Dresden (1874-1942) |
| Reiterrelief | Heinrich Wedemeyer, Dresden (1867-1941) |
| Bauzeit | November 1903 bis August 1904 |
| Einweihung | 18. August 1904 |
| Status | Kulturdenkmal (sächsische Denkmalliste, ID 08964020) |
| Koordinaten | 50.9978 N, 13.6597 O |
Kleiner Hinweis zur Höhe: Ältere Texte, auch unser eigener aus dem Jahr 2015, sprechen von „über NN“. Das amtliche Bezugssystem in Deutschland heißt inzwischen Normalhöhennull, kurz NHN. Umgangssprachlich meinen beide Angaben die Höhe über dem Meeresspiegel.
Warum Freital einem König ein Denkmal baute

Albert von Sachsen starb am 19. Juni 1902 im schlesischen Sibyllenort. Er war im Land ausgesprochen beliebt, und im Plauenschen Grund hatte man einen besonderen Grund zur Dankbarkeit. Nach dem Hochwasser von 1897 war der König selbst ins Weißeritztal gekommen. Danach rückte sächsisches Militär in großer Zahl an, um den Gemeinden beim Aufräumen zu helfen.
Schon drei Wochen nach Alberts Tod, am 9. Juli 1902, rief der „Konservative Verein im Plauenschen Grunde“ zu Spenden für ein Denkmal auf. Den Ausschuss leitete Ferdinand Max Georgi, Direktor der Königlichen Steinkohlenwerke Zauckerode. Den Namen Albert kannte man im Tal ohnehin: Die Bahnstrecke Dresden nach Tharandt hieß seit dem ersten Spatenstich 1853, bei dem der damalige Kronprinz dabei war, „Albertbahn“.
Eine Stadt Freital gab es damals noch nicht. Sie entstand erst 1921 aus mehreren Gemeinden. Das Denkmal bezahlten deshalb 23 Gemeinden und 74 Vereine aus dem Plauenschen Grund gemeinsam. Den Bauplatz auf dem Windberg stellte dessen Besitzer, Max Freiherr von Burgk, kostenlos zur Verfügung.
Fünf Architekten, ein stumpfer Obelisk
Im April 1903 lagen die Entwürfe auf dem Tisch. Die Aufgabe war kniffliger, als es heute aussieht: Das Denkmal sollte aus dem Tal und aus Dresden gut zu erkennen sein und aus der Nähe trotzdem nicht plump wirken. Die Niederhäslicher Baufirma Menzer & Reif schlug einen gedrungenen Obelisken mit Medaillon vor. Die Gebrüder Fischer aus Dresden-Plauen reichten gleich vier Varianten ein, darunter zwei Säulen auf mächtigem Unterbau. Die Deubener Firma Käppler plante Terrassen mit einem kleinen Obelisken obendrauf, der Potschappler Architekt Eckehardt einen massiven Kuppelbau.
Gebaut wurde der Entwurf des jungen Dresdner Architekten Max Hans Kühne: ein stumpfer Obelisk auf breitem Sockel, dazu ein Reiterbild des Königs. Kühne war Meisterschüler von Paul Wallot, dem Architekten des Berliner Reichstagsgebäudes. Ein paar Jahre nach dem Windbergdenkmal gründete er mit William Lossow das Büro Lossow & Kühne. Von dort stammen der Leipziger Hauptbahnhof und das Schauspielhaus in Dresden. Der Obelisk über Freital ist also ein frühes Werk eines Mannes, der später zu den gefragtesten Architekten Deutschlands gehörte.
Baustelle auf dem Berg: 500 Kubikmeter Sandstein
Im November 1903 begannen die Arbeiten. Das Wetter spielte mit, es ging schnell voran. Anfang April 1904 stand bereits ein zehn Meter hohes Holzgerüst auf dem Plateau. Verbaut wurden laut Stadtverwaltung mehr als 500 Kubikmeter Sandstein aus einem Steinbruch in Kleinnaundorf. Ausgeführt hat den Bau die Firma Gebrüder Fichtner aus Dresden-Plauen.
Das Reiterbild auf der Talseite schuf der Dresdner Bildhauer Heinrich Wedemeyer. Es ist keine freistehende Figur, sondern ein Relief am Sockel des Obelisken.
Einweihung am 18. August 1904
Eigentlich sollte das Denkmal am 19. Juni 1904 enthüllt werden, dem zweiten Todestag des Königs. Daraus wurde nichts. Am 26. Mai starb Isabella, die junge Frau von Prinz Johann Georg, und das Königshaus sagte alle Feiern ab. Auch König Georg, Alberts Nachfolger, konnte nicht kommen. Der 72-Jährige war krank und zur Kur in Gastein.
Am 3. Juli 1904 meldete die Lokalpresse den neuen Termin: 18. August. Daher stammt übrigens die Verwechslung, die bis heute durchs Netz geistert. Einige Seiten nennen den 3. Juli als Einweihungstag, tatsächlich war das nur der Tag der Ankündigung. Das Freitaler Stadtwiki weist darauf hin, dass der 18. August mit dem 34. Jahrestag der Schlacht bei Gravelotte zusammenfiel, in der Albert 1870 als Kronprinz die sächsischen Truppen geführt hatte.
Die Feier selbst war ein Großereignis. Das freiherrlich von Burgksche und das Königliche Bergmusikkorps spielten, lange Marschkolonnen zogen auf den Berg, Böller krachten. Georgi hielt die Festrede. Sein Schlusssatz ist gut überliefert und klingt erstaunlich modern: Wie die Säule über Nebel und Rauch des Tals aufrage, solle sie mahnen: „Reiße Dich los von Verdrossenheit und Nörgelsucht“, und los von Partei- und Kirchturmpolitik. Anschließend legten die Gemeinden und Vereine 23 Lorbeerkränze nieder, unter anderem die Kirchgemeinden, die Schützengesellschaft und der Hausbesitzerverein.
Das Reiterstandbild auf der Talseite

Das Relief zeigt Albert zu Pferd, den Blick ins Tal gerichtet. Wer es bis 2021 von nahem betrachtet, sah die Spuren von 120 Jahren Wind und Wetter auf dem Windberg. Bei unserem Besuch im Jahr 2015 war der Zustand traurig: Das Pferd stand nur noch auf drei Beinen, der Stein war an vielen Stellen abgeplatzt.
Vor dem Relief liegt ein Gedenkstein für die Bergleute des Döhlener Beckens. Der Spruch darauf stammt von Freitals Ehrenbürger Hellmuth Heinz (1904-1994) und beginnt mit „Siehe, Wanderer, ins Tal“. Er erinnert daran, dass die Stadt da unten vom Steinkohlenbergbau lebte und groß wurde.
Sanierung 2008 und 2021 restauriertes Reiterstandbild

Den Anstoß zur Rettung gaben Freitaler Bürger. Der Lions Club Freital setzte sich dafür ein, dass der Obelisk nachts angestrahlt wird. Das sollte ein Zeichen sein und Spender aufrütteln. Es hat funktioniert. In den Jahren 2007 und 2008 wurde das Denkmal umfassend saniert, zum großen Teil mit privaten Spenden. Am 30. Mai 2008 wurde die originalgetreu nachgebildete Bronzetafel feierlich enthüllt.
Das Reiterrelief blieb zunächst beschädigt. Zum 100. Geburtstag der Stadt ließ Freital es 2021 restaurieren. Die Steinmetze reinigten und entsalzten den Sandstein und setzten sogenannte Vierungen ein, also passgenau eingefügte neue Werkstücke. Das rechte Vorderbein des Pferdes und der rechte Fuß des Königs sind seitdem aus Reinhardtsdorfer Sandstein neu gearbeitet. Im Dezember 2021 meldete die Sächsische Zeitung: Ross und Reiter sind wieder komplett.
Wer das Denkmal zuletzt vor 2021 gesehen hat, sollte also noch einmal hinaufgehen. Der Unterschied ist deutlich.
Die Inschrift auf der Bronzetafel

Auf der Rückseite des Obelisken hängt eine Bronzetafel mit diesem Text:
BETRITT, O SACHSENVOLK,
ANDÄCHTIG DIESE STÄTTE,
SIE IST GEWEIHT DEN MANEN
EINES KÖNIGS,
DER DEUTSCHEN HELDENSINN
MIT HERRSCHERTREU VERBAND
UND SEINEM VOLKE WAR EIN
GOTTGESANDTER FÜHRER.
Die Manen sind in der römischen Religion die Geister der Verstorbenen. Der Ton ist heute schwer zu ertragen, das Wort „Führer“ liest man nach 1945 ohnehin anders. Die Stadt Freital bezeichnet die Inschrift als eine Würdigung, die der damaligen Zeit geschuldet ist. Das trifft es.
Die Tafel, die heute dort hängt, ist nicht das Original. Schon auf Ansichtskarten aus der Zeit um 1924 fehlt die Bronzeplatte auf der Rückseite. Wo sie geblieben ist, lässt sich nicht mehr sicher sagen.
Fast vierzig Jahre hinter einer Mauer
Nach dem Ersten Weltkrieg dankte 1918 der letzte sächsische König ab. Mit der Monarchie verblasste auch die Erinnerung an Albert. Der Obelisk blieb Wahrzeichen und Aussichtspunkt, wem er gewidmet war, wussten immer weniger Leute.
1951 verschwand das bereits stark verwitterte Reiterrelief hinter einer Sandsteinmauer. Ein König passte nicht ins Bild der jungen DDR. Erst nach der Wende wurde die Mauer wieder entfernt, laut Freitaler Stadtwiki im Jahr 1995. Was zum Vorschein kam, war in schlechtem Zustand. Vandalismus kam hinzu.

Die Aussicht vom Windbergdenkmal
Das Denkmal steht am westlichen Rand des Plateaus, direkt an der Kante zum Döhlener Becken. Vor dem Obelisken gibt es eine kleine Aussichtsterrasse mit Bänken. Von dort schaut man rund 180 Meter hinunter auf Deuben, Döhlen, Potschappel und das Weißeritztal. Gegenüber liegen der Burgwartsberg und die Kirche von Pesterwitz.
Auf den Obelisken selbst kann man nicht steigen. Er ist massiv und hat weder Treppe noch Plattform. Schon ein Freitaler Wanderführer aus den 1920er Jahren bedauerte, dass der volle Rundblick deshalb verwehrt bleibt.
Umgekehrt funktioniert die Sichtachse bestens. Der Windberg mit seiner „Krone“ ist nach Angaben der Stadt sogar vom Dresdner Schlossturm und aus der Lößnitz zu erkennen. Seit einigen Jahren wird der Obelisk abends angestrahlt, im Dunkeln sieht man ihn aus weiten Teilen der Stadt.

Der Windberg: Naturschutzgebiet auf altem Bergbaurevier
Genau genommen ist der Windberg gar kein Berg. Geologen sprechen von einem 2,5 Kilometer langen, spornartigen Erosionsrest. Aus dem Tal wirkt er wie ein Kegel, oben ist er ein lang gestrecktes Plateau. Seit 2001 steht er als Naturschutzgebiet „Windberg Freital“ unter Schutz. Auf den steilen Hängen wachsen vor allem Buchen, Hainbuchen und Eichen.
Unter dem Wald liegt Bergbaugeschichte. Von 1845 an teufte der Potschappler Aktienverein auf dem Plateau den Windbergschacht ab, über 400 Meter tief (die Angaben schwanken zwischen 412 und 452 Metern). 1881 war Schluss. Die Anlagen wurden abgerissen, nur das Huthaus blieb stehen, also das Verwaltungsgebäude der Grube. Es diente später als Forsthaus, bis 1975 als Pflegeheim und in den 1980er Jahren als Gästehaus der Stadt. Heute ist darin das Tierheim Freital untergebracht. Man kommt auf dem Weg zum Denkmal direkt daran vorbei. Die Mitarbeiter erzählen gern etwas über ihre Tiere, die Öffnungszeiten sollte man vorher prüfen.
Auf dem östlichen Teil des Plateaus, dem Kleinen Windberg, steht das Bergmannsgrab. Es erinnert an die Opfer der Schlagwetterexplosion im Segen-Gottes- und im Neuhoffnungsschacht von 1869. Die beiden Denkmäler lassen sich gut in einer Runde verbinden.
Die Kohle vom Windberg brachte ab 1856 die Hänichener Kohlenzweigbahn ins Tal. Sie gilt als erste Gebirgsbahn Deutschlands und ist heute als Windbergbahn oder „Sächsische Semmeringbahn“ bekannt. Der Personenverkehr endete 1957, der Güterverkehr 1993. Der Verein Windbergbahn e.V. veranstaltet an einzelnen Tagen im Jahr Sonderfahrten.

Anfahrt und Wege zum König-Albert-Denkmal
Der bequemste Weg führt von Osten, von der Bannewitzer Seite, fast ohne Steigung hinauf. Startpunkt ist ein kleiner Parkplatz an der Kohlenstraße, dort wo der Weg zum Tierheim abzweigt. Etwa 500 Meter weiter Richtung Bannewitz gibt es einen zweiten, größeren Parkplatz.
Mit dem Auto aus Freital: über die Burgker Straße bis zur Kohlenstraße, dort rechts Richtung Bannewitz. Von der A 17: Abfahrt Dresden-Südvorstadt, über die B 170 Richtung Bannewitz bis zur Horkenstraße, dann rechts Richtung Freital.
Mit dem Bus: Die Freitaler Stadtbuslinie 164 hält an der Haltestelle „Am Birkenwäldchen“, von dort sind es rund 300 Meter bis zum Parkplatz.
Vom Parkplatz folgt man dem Forsthausweg knapp 500 Meter bis zum Tierheim, dann links noch etwa 700 Meter mit den Markierungen gelber und grüner Strich bis zum Denkmal. Das sind gut 1,2 Kilometer, zu Fuß etwa 15 bis 20 Minuten, fast eben.
Sportlicher geht es aus dem Tal. Von Burgk im Norden und von Niederhäslich im Süden führen steile Pfade durch den Wald hinauf. Eine Runde mit beiden Steilanstiegen kommt auf rund 5,5 Kilometer und etwa 200 Höhenmeter. Hier braucht man festes Schuhwerk, bei Schnee und Eis sind die Steilstücke keine gute Idee. Wer es gemütlicher mag, nimmt die „Denkmaltour“: eine Runde in Form einer Acht über Windberg und Kleinen Windberg, knapp fünf Kilometer lang, mit dem Bergmannsgrab als zweitem Ziel.
Fotografen sollten im Oktober kommen, wenn sich die Buchen auf dem Plateau färben. Die Talseite mit dem Reiterrelief schaut nach Westen, gutes Licht dafür gibt es eher am Nachmittag. Abends, wenn der Obelisk angestrahlt ist, lohnt sich der Blick vom Tal aus.
Häufige Fragen zum Windbergdenkmal
Wie hoch ist das Windbergdenkmal in Freital?
Der Sandsteinobelisk ist 17 Meter hoch. Er steht auf dem Windbergplateau in etwa 351 Metern Höhe, rund 180 Meter über dem Freitaler Talkessel.
Kann man auf das König-Albert-Denkmal hinaufsteigen?
Nein. Der Obelisk ist massiv und nicht begehbar. Die Aussicht genießt man von der Terrasse mit Bänken direkt am Fuß des Denkmals.
Wann wurde das Windbergdenkmal eingeweiht?
Am 18. August 1904, nach etwa neun Monaten Bauzeit. Der manchmal genannte 3. Juli 1904 ist der Tag, an dem die Zeitung den Termin ankündigte.
Wem ist das Denkmal gewidmet?
König Albert von Sachsen (1828-1902). Die Gemeinden des Plauenschen Grundes dankten ihm damit unter anderem für die Hilfe des Militärs nach dem Hochwasser von 1897.
Wie weit ist es vom Parkplatz bis zum Denkmal?
Vom Parkplatz an der Kohlenstraße sind es gut 1,2 Kilometer auf fast ebenem Waldweg, zu Fuß etwa 15 bis 20 Minuten.
Hat das Pferd am Reiterstandbild wieder alle Beine?
Ja. Bei der Restaurierung 2021 wurden das fehlende rechte Vorderbein des Pferdes und der rechte Fuß des Königs aus Sandstein neu gefertigt und eingesetzt.
Bilder von 2015



























