Ausflug zum Rabenauer Grund

Rabenauer Grund
Rabenauer Grund Bild: Lingen Huang CC BY-SA 3.0

Knapp 20 Kilometer südwestlich von Dresden liegt ein Tal, das sich kaum verändert hat. Die Rote Weißeritz hat sich hier über Jahrmillionen bis zu 80 Meter tief in den Fels gefressen. Das Ergebnis ist der Rabenauer Grund – ein schmales Kerbtal mit Felswänden, Moos, Stille und einer Schmalspurbahn, die sich alle paar Stunden schnaufend hindurchzwängt.

Dass der Grund nicht länger ein Geheimtipp ist, liegt auch an seinen früheren Besuchern. Johann Alexander Thiele, Caspar David Friedrich und Ludwig Richter haben hier gemalt. Richter ließ sich vom Felstunnel „Nadelöhr“ zu mehreren Gemälden inspirieren. Das Nadelöhr, ein im 19. Jahrhundert in den Fels gehauener Durchgang, lässt sich noch heute begehen – enger als gedacht, und trotzdem einer der reizvollsten Punkte der Strecke.

Geschichte: Bergleute, Mühlenbesitzer und Eisenbahner

Zugänglich wurde das Tal in mehreren Etappen. Im Mittelalter kamen die ersten Bergleute, die im Grund nach Erz suchten. Den eigentlichen Wanderweg legte 1834 Christian Friedrich Ehrlich an, damals Besitzer der Rabenauer Mühle – mit Hilfe von Freiberger Bergleuten, die wussten, wie man Fels bezwingt. Ab 1882 fuhr die Weißeritztalbahn durchs Tal. 1911 folgte das Wasserkraftwerk, für dessen Bau ein 400 Meter langer Stollen durch die Felsen gesprengt wurde.

Heute steht der Rabenauer Grund seit 1961 unter Naturschutz. Geblieben sind Felsformationen mit Namen: Predigtstuhl, Einsiedlerfelsen, Trompeterfelsen, Nixentump. Wer aufmerksam läuft, findet entlang des Weges Schilder, die die alten Sagen dazu erklären.

Wandern und Radfahren im Rabenauer Grund

Der Wanderweg vom Freizeitzentrum Hains in Freital bis zur Rabenauer Mühle ist gut ausgebaut, breit und ohne nennenswerte Steigungen – damit auch für Familien mit kleinen Kindern geeignet. Wer weiter will, folgt dem Weg bis zur Talsperre Malter. Für den Rückweg bietet sich die Weißeritztalbahn an: einfach an einem der Haltepunkte einsteigen und zurückdampfen.

Wer die Seitentäler mag, wird an der Somsdorfer Klamm nicht vorbeikommen. Das Kerbtal zweigt vom Hauptweg ab und führt über eine felsige Treppe steil nach oben Richtung Somsdorf, trittsicher sollte man dabei schon sein. Etwas ruhiger ist der Nixensteig, der hinauf nach Lübau führt und über das Lübauer Gründl wieder zurück in den Hauptgrund.

Im Frühling lohnt sich ein Blick auf die Planwiese, auch Knoblauchwiese genannt: Der Bärlauch wächst hier in solchen Mengen, dass man ihn schon von Weitem riecht.

Wer auf den Wegen aufpasst, sieht gelegentlich auch Tiere, die anderswo selten geworden sind. Der Feuersalamander ist im Rabenauer Grund heimisch. Gebirgsstelzen und Wasseramseln leben direkt am Fluss.

Der SachsenEnergie-Energiepfad führt als Rundwanderweg mit knapp 40 Kilometern Gesamtlänge durch die gesamte Region und macht Station im Rabenauer Grund – mit Infotafeln zum Wasserkraftwerk und Mitmachstationen für Kinder.

Die Weißeritztalbahn

Weisseritztalbahn im Rabenauer Grund

Die Weißeritztalbahn ist Deutschlands älteste Schmalspurbahn im öffentlichen Betrieb. Seit 1882 fährt sie von Freital-Hainsberg ins Osterzgebirge, heute bis zum Kurort Kipsdorf. Die Strecke ist 26,3 Kilometer lang, überwindet 350 Höhenmeter und führt über 34 Brücken. Spurweite: 750 Millimeter. Tempo: maximal 30 km/h.

Das klingt langsam. Ist es auch. Und genau das ist der Punkt. Die Bahn schlängelt sich durch das Tal, hält an Haltepunkten, die kaum ein Auto erreicht, und gibt jedem Ausflug eine eigene Dramaturgie. Von Mai bis September fährt ein offener Aussichtswagen mit.

Nach dem Hochwasser 2002 war die Strecke teilweise komplett zerstört. Der erste Abschnitt bis Dippoldiswalde wurde 2008 wieder freigegeben, seit 2017 fährt die Bahn wieder bis Kipsdorf durch.

Wasserkraftwerk Rabenauer Grund

Wasserkraftwerk Rabenauer Grund

Das Kraftwerk an der Roten Weißeritz läuft seit 1911. Das Wasser wird über ein Wehr bei der Rabenauer Mühle in einen 460 Meter langen Stollen geleitet, fließt durch eine 176 Meter lange Druckleitung mit 1,10 Meter Durchmesser hinab und treibt dort unten die Turbinen an. Der Höhenunterschied beträgt knapp 40 Meter, der Durchfluss maximal 3,3 Kubikmeter pro Sekunde. Überschüssiges Wasser läuft über eine Natursteinkaskade zurück in den Fluss. Wasserschloss und Kaskade stehen heute als technisches Denkmal unter Schutz.

Somsdorfer Klamm

Das Seitental beginnt unterhalb der Butterstraße bei Somsdorf und mündet unter dem Felstunnel „Nadelöhr“ in den Rabenauer Grund. Seit 1961 ist die Klamm Teil des Naturschutzgebiets. Der Aufstieg über die felsige Treppe ist kurz, aber steil – oben angekommen hat man einen anderen Blick auf das Tal.

Hotel Rabenauer Mühle

Hotel Rabenauer Mühle

Die Mühle wurde 1235 erstmals urkundlich erwähnt, gehörte später zum Kurfürstentum und bekam um 1830 ihre erste Schankerlaubnis. Heute ist sie das einzige Gasthaus weit und breit im Grund. Das Selbstbedienungsrestaurant „Zum Wanderer“ ist rustikal, die Preise laut Besuchern leicht überhöht – aber nach ein paar Stunden Wanderung sitzt man trotzdem gern da. Im Sommer gibt es einen Biergarten. Wer übernachten will: Das Hotel bietet auch Wellness und Bowling an.

Arthur-Lohse-Brücke und der Sagenweg

Bruecke im Rabenauer Grund

Die Brücke trägt den Namen eines Hainsberger Heimatfreundes. Von hier aus führt der Sagenweg steil bergauf nach Rabenau, wo das Deutsche Stuhlbaumuseum steht – Rabenau hat eine über 400 Jahre alte Geschichte als Stuhlbauerstadt. Wer nicht hoch will, folgt dem Grundweg flussabwärts an der Roten Weißeritz und den Bahnschienen entlang zurück zum Ausgangspunkt.

Das Hochwasser 2002

August 2002. Die Talsperre Malter wurde kontrolliert abgelassen, weil der Wasserpegel zu schnell stieg. Was danach im Rabenauer Grund passierte, war trotzdem eine Katastrophe: Das Tal wurde fast vollständig zerstört. Beim Wiederaufbau wurde der Flusslauf der Weißeritz begradigt, alte Bäume fielen, die Straße verbreitert, die Bahngleise neu gesetzt. Wer alte Fotos vom Grund kennt, sieht den Unterschied. Der Grund ist heute schöner als sein Ruf – aber nicht mehr ganz derselbe.

Die Rote Weißeritz

Flussbett der Roten Weißeritz

Die Rote Weißeritz entspringt im Bereich der Galgenteiche und des Georgenfeldmoores bei Altenberg im östlichen Erzgebirge. Sie fließt durch Waldgebiete und kleine Orte, passiert Dippoldiswalde und die Talsperre Malter, bevor sie den Rabenauer Grund durchquert. Bei Freital-Hainsberg trifft sie auf die Wilde Weißeritz – ab dort heißt der Fluss schlicht Weißeritz und fließt weiter durch Freital und Dresden in die Elbe.

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